Freistellungsaufträge Überblick verloren: Das musst du nun tun

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Hast du über deine Freistellungsaufträge den Überblick verloren? Das kann leicht passieren, besonders wenn du Konten und Depots bei verschiedenen Banken hast.

Doch keine Sorge, es gibt effektive Schritte, die du unternehmen kannst, um wieder Ordnung in deine Finanzen zu bringen.

In diesem Ratgeber zeige ich dir, wie herausfinden kannst, wo du überall Freistellungsaufträge hast, wie bzw. ob du FSA nachträglich ändern kannst, wie das Finanzamt reagiert, wenn du aus Versehen deinen Freistellungsauftrag in Summe zu hoch angesetzt hast und Vieles mehr.

Freistellungsaufträge: Was ist das?

Freistellungsaufträge (Abkürzung: FSA) ermöglichen es dir, deine Kapitalerträge bis zu einem bestimmten Betrag von der Abgeltungssteuer zu befreien. In Deutschland ist festgelegt, dass Zinserträge, Dividenden und Gewinne aus Kapitalvermögen bis zu einer gewissen Grenze steuerfrei bleiben können.

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Dieser Betrag, der sogenannte Sparer-Pauschbetrag, liegt seit 2023 bei 1.000 Euro pro Person (bzw. 2000€ bei verheirateten Paaren).

Wenn du also Geldanlagen hast, die Erträge abwerfen, kannst du bis zu diesem Betrag einen Freistellungsauftrag bei deiner Bank oder deinem Kreditinstitut einreichen.

Das bedeutet konkret: Verdienst du beispielsweise 980 Euro im Jahr an Zinsen, musst du auf diese Erträge keine Steuern zahlen, sofern du einen entsprechenden Freistellungsauftrag in entsprechender Höhe erteilt hast.

Dieser Freibetrag gilt pro Person und Kalenderjahr und kann zwischen verschiedenen Konten und Depots aufgeteilt werden.

Es ist wichtig, dass du den Freistellungsauftrag aktiv erteilst, denn die Bank führt sonst automatisch Steuern auf alle deine Kapitalerträge ab. Mit dem Freistellungsauftrag gibst du ihr die Anweisung, dies bis zum genannten Betrag nicht zu tun. Dadurch optimierst du deine Steuerlast und behältst mehr von deinen Erträgen.

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Wenn du keinen Freistellungsauftrag erteilst bzw. deine Erträge über dem Sparer-Pauschbetrag liegen, fallen ca. 26% Steuern (Abgeltungssteuer, Soli und ggf. Kirchensteuer) an. Die Steuer fällt aber nur auf die Beträge an, die über dem Pauschbetrag liegen. Solange du also einen Freistellungsauftrag erteilst, erhältst du bis zu 1000€ brutto gleich netto.

Wie kann es passieren, dass man den Überblick über seine Freistellungsaufträge verliert?

In unserer dynamischen Finanzwelt ist es nicht unüblich, dass du Konten und Depots bei verschiedenen Banken hast. Vielleicht hast du in der Vergangenheit Freistellungsaufträge verteilt und nicht mehr angepasst, als du Konten gewechselt oder geschlossen hast.

So kann es leicht einmal passieren, dass man den Überblick über seine Freistellungsaufträge verliert.

Um den Überblick zu behalten, ist es wichtig, regelmäßig deine Finanzen zu überprüfen und eine Liste deiner Freistellungsaufträge zu führen.

Du könntest auch überlegen, alle Freistellungsaufträge bei einer Bank zu bündeln oder ein Finanzmanagement-Tool zu nutzen, um alles im Blick zu behalten.

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Was ist zu tun, wenn du den Überblick über deine Freistellungsaufträge verloren hast?

Erster Schritt: Keine Panik! Beginne damit, deine aktuellen Bankunterlagen zu sichten. Kontaktiere dann jede Bank und bitte um Auskunft über deine erteilten Freistellungsaufträge. Alternativ kannst du meist auch einfach online deine unterschiedlichen Freistellungsaufträge einsehen.

Hier ein paar grundlegende Schritte, die du unternehmen kannst:

  1. Bestandsaufnahme: Beginne damit, alle deine Bankverbindungen und Depots aufzulisten. Prüfe deine Unterlagen oder kontaktiere deine Banken, Broker etc., um herauszufinden, ob und wo du Freistellungsaufträge eingerichtet hast.
  2. Freistellungsaufträge erfragen: Bei jeder Bank, bei der du ein Konto oder Depot hast, solltest du nachfragen, ob ein Freistellungsauftrag vorliegt und wie hoch der Freibetrag ist.
  3. Sparerpauschbetrag prüfen: Informiere dich über die aktuelle Höhe des Sparerpauschbetrags. Er beträgt derzeit (Stand 2023) 1000 Euro für Alleinstehende und 2000 Euro für gemeinsam veranlagte Ehepaare oder eingetragene Lebenspartnerschaften.
  4. Aufträge anpassen: Falls notwendig, passe deine Freistellungsaufträge so an, dass der gesamte Sparerpauschbetrag ausgeschöpft, aber nicht überschritten wird. Berücksichtige dabei auch, wie sich deine Anlagen über das Jahr entwickeln könnten.
  5. Zentralisieren: Um künftig den Überblick zu behalten, kann es sinnvoll sein, alle Freistellungsaufträge bei einer Bank zu bündeln oder zumindest eine übersichtliche Liste zu führen, die du regelmäßig aktualisierst.
  6. Regelmäßige Überprüfung: Mache es zu einer Gewohnheit, einmal im Jahr deine Freistellungsaufträge zu überprüfen. Günstige Zeitpunkte sind zum Beispiel der Jahreswechsel oder ein festes Datum, das du in deinem Kalender vermerkst.
  7. Persönliche Änderungen berücksichtigen: Beachte auch persönliche Veränderungen wie Heirat, Scheidung oder den Tod des Partners, die deinen Sparerpauschbetrag beeinflussen können, und passe deine Aufträge entsprechend an.
  8. Digitalisierung nutzen: Es gibt Apps und Finanzmanagement-Tools, die dir dabei helfen können, deine Finanzen zu organisieren. Nutze solche Hilfsmittel, um deine Freistellungsaufträge zu verwalten und immer den Überblick zu behalten.
  9. Steuerliche Änderungen im Auge behalten: Gesetzesänderungen können Einfluss auf deinen Sparerpauschbetrag haben. Informiere dich regelmäßig, ob es hier Neuerungen gibt.

Wo bekomme ich eine Übersicht aller meine Freistellungsaufträge?

Eine zentrale Übersicht aller deiner Freistellungsaufträge gibt es leider nicht, da diese Informationen auf die verschiedenen Banken und Finanzinstitute verteilt sind, bei denen du die Aufträge eingerichtet hast.

Um eine vollständige Übersicht zu bekommen, musst du daher selbst aktiv werden. Erstelle dir eine Übersicht all deiner Freistellungsaufträge, z.B. per Excel.

So verschaffst du dir künftig einen Überblick über all deine Freistellungsaufträge

Ordnung ist hier das A und O. Führe ein Dokument oder eine Tabelle, in der du alle Freistellungsaufträge und die entsprechenden Banken notierst. Aktualisiere diese Übersicht regelmäßig, besonders nach jeder Änderung deiner finanziellen Situation.

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Kann man seinen Freistellungsauftrag rückwirkend ändern?

Ja und nein.

Nein im Sinne von: Eine rückwirkende Änderung für ein bereits abgelaufenes Jahr ist nicht mehr möglich.

Ja im Sinne von: Für das laufende Jahr kannst du deinen Freistellungsauftrag jedoch noch anpassen, solange die Erträge noch nicht angefallen sind.

Beispiel: Du hast für das Jahr 2023 folgende Freistellungsaufträge erteilt:

  • 800 € beim Online-Broker Trade Republic
  • 300 € bei der LBS Bausparkasse

Wie du siehst, hast du deinen Freistellungsaufträge Überblick verloren, nicht aufgepasst und in Summe einen Betrag von 1100 € freistellen lassen. Jetzt willst du 100€ bei einem der beiden Institute „wegnehmen“, damit die Beträge in Summe 1000 € ergeben.

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Was ist zu tun?

Nun, du kannst generell bis zum 31.12.2023 noch Änderungen an den Freistellungsaufträgen für das Kalenderjahr 2023 vornehmen. Im Jahr 2024 geht das nicht mehr rückwirkend.

Allerdings hängt es auch davon ab, wie viele Kapitalerträge du im laufenden Jahr bereits erhalten hast und wann die Bank/das Institut, bei der/dem du die Freistellungsaufträge erteilt hast, dir deine Erträge gutschreibt.

Gehen wir davon aus, im Oktober 2023 sind bereits folgende Erträge aufgelaufen:

  • 1200 € beim Online-Broker Trade Republic
  • 400 € bei der LBS Bausparkasse

Du hast somit in beiden Fällen deine hinterlegten Freistellungsaufträge bereits überschritten und in Summe liegst du auch bei über 1000€.

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Trade Republic: Freistellungsauftrag ändern

Freistellungsauftrag ändern Trade Republic

Willst du bei Trade Republic deinen Freistellungsauftrag ändern, klickst du in der App einfach auf: „Steuer“ –> „Steuerübersicht“ –> „Freistellungsauftrag verwalten“ und passt ihn entsprechend an.

Das Problem ist hier jedoch: Du hast bereits mehr als die 800€ von deinem FSA genutzt. Und es ist bei Trade Republic nicht möglich, deinen FSA zunächst auszunutzen (oder zu überschreiten) und ihn dann im Nachhinein nach unten zu korrigieren. Du könntest den FSA nur weiter erhöhen und das bringt dir hier nichts.

Warum Trade Republic trotzdem ein sehr guter und vor allem sehr günstiger Broker ist, steht in diesem Erfahrungsbericht.

LBS Bausparkasse: Freistellungsauftrag ändern

Freistellungsauftrag ändern Bausparkasse

Auch bei der LBS hast du zu diesem Zeitpunkt schon den hinterlegten FSA überschritten (400 € Erträge sind aufgelaufen, bei einem hinterlegten FSA von nur 300€).

Doch du hast Glück: Bei der LBS erhältst du deine Zinsgutschrift erst auf einen Schlag am Ende eines Kalenderjahres (im Gegensatz zu Trade Republic).

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Daher kannst du noch beantragen, deinen Bausparvertrag Freistellungsauftrag für das Jahr 2023 um 100 € nach unten zu korrigieren.

Dafür gibt es ein entsprechendes Antragsformular, dass du dann ausgefüllt an die LBS schicken kannst (geht auch per Mail).

Was passiert, wenn du einen Freistellungsauftrag zu hoch ansetzt?

Setzt du deinen Freistellungsauftrag höher an als deine tatsächlichen Erträge, verfällt der nicht genutzte Betrag. Das ist kein Problem.

Wichtig ist nur, dass die Summe aller erteilten und genutzten Freistellungsaufträge bei all deinen Plattformen nicht 1000€ überschreitet (bei Einzelpersonen).

Solltest du deinen Freistellungsaufträge Überblick verloren haben und in Summe mehr als 1000 € angegeben haben (und diesen Betrag auch ausgenutzt haben) und dies nicht rechtzeitig (also im Laufe des Jahres) korrigiert haben, wird das dann sehr wahrscheinlich dem Finanzamt auffallen.

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Aber keine Angst, du bist nicht der einzige, der diesen Fehler macht. Solange du in deiner Steuererklärung deinen Freibetrag korrigierst und Steuern nachzahlst, ist das kein Problem.

Das Finanzamt wird dir deshalb keinen Strick draus drehen. Anders sieht es aus, wenn du „aus Versehen“ bei 10 verschiedenen Plattformen jeweils 1000€ Freistellung beantragt hast und jeweils diesen Betrag dann auch ausgeschöpft hast.

Sprich, du in Summe einen Freistellungsauftrag in Höhe von 10.000€ statt 1.000€ in Anspruch genommen hast. Das zu erklären, wäre dann schon deutlich schwieriger.

Wenn du aber nur ein paar Euro (oder auch 200€) drüber liegst, wird das das Finanzamt in der Steuererklärung feststellen, dich ermahnen, dass du darauf achten sollst, dass die Freistellungs-Summe stimmt, du zahlst Abgeltungssteuer nach und das war’s.

Fazit: Freistellungsaufträge Überblick verloren

Es ist menschlich, den Überblick zu verlieren. Hast du deinen Freistellungsaufträge Überblick verloren, ist aber wichtig, dass du rechtzeitig handelst.

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Mit etwas Recherche und Organisation kannst du deine Freistellungsaufträge wieder unter Kontrolle bringen und so sicherstellen, dass dein Sparer-Pauschbetrag optimal genutzt wird und es zu keinem Ärger mit den Finanzbehörden kommt.

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