Brutto-Netto-Einkommen Selbstständigkeit: Steuern und Abgaben

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Brutto Netto Selbstständigkeit: In der Welt der Selbstständigkeit ist das Thema „Brutto-Netto-Einkommen“ von essentieller Bedeutung. Als Selbstständiger bist du nicht nur für dein eigenes Geschäft verantwortlich, sondern auch für deine finanzielle Gesamtsituation.

Ein grundlegendes Verständnis der Steuern und Abgaben, die von deinem Einkommen abgezogen werden, ist unerlässlich, um ein genaues Bild davon zu bekommen, wie viel tatsächlich im Geldbeutel landet. In diesem Artikel werden wir uns ausführlich mit dem Thema Brutto-Netto-Einkommen in der Selbstständigkeit befassen und die verschiedenen steuerlichen und abgabenbezogenen Aspekte beleuchten. Damit du weißt, wie viel Netto vom Brutto dir tatsächlich als Selbstständiger bleibt.

Wenn du wissen willst, wie viel Umsatz du als Selbstständiger für 2.000 € Netto brauchst, schau mal hier rein.

Unterschiede zwischen Brutto- und Nettobeträgen

Bevor wir uns mit den Details der Steuern und Abgaben beschäftigen, schauen wir uns erst einmal grundlegende Begriffe an. Unter Bruttobetrag versteht man das Einkommen, das ein Selbstständiger vor jeglichen Abzügen verdient.

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Der Nettobetrag hingegen ist das tatsächliche Einkommen nach Abzug von Steuern, Sozialversicherungsbeiträgen und anderen Abgaben.

Steuerliche Pflichten von Selbstständigen

Angestellte haben’s leicht: Diese müssen nur auf ihren Lohnzettel schauen und sehen auf einen Blick, wie viele Steuern und Sozialabgaben sie pro Monat zahlen und wie viel Netto vom Brutto ihnen bleibt.

Für Selbstständige in Deutschland sieht die Sache dagegen anders aus. Viele Selbstständige kennen nur ihren ungefähren Umsatz pro Monat (der zudem natürlich entsprechend schwankt), wie viel im Monat aber Netto übrigbleibt, ist oftmals nicht ohne weiteres ersichtlich. Dies hängt auch mit der Komplexität des deutschen Steuerrechts zusammen.

Je nach deinem Standort, Geschäftstyp, Umsatz bzw. Gewinn fallen unterschiedliche Steuern an. Im Wesentlichen spielen folgende Steuerarten eine Rolle:

  • Einkommenssteuer
  • Umsatzsteuer
  • Gewerbesteuer

Diese Steuern werden von deinem Bruttoeinkommen abgezogen, um dein Netto-Einkommen zu ermitteln.

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Im Folgenden zeige ich dir, wie hoch die Einkommensteuer, Umsatzsteuer und Gewerbesteuer bei Selbstständigen ist und welche Faktoren dabei eine Rolle spielen.

Einkommenssteuer bei Selbstständigen

Die Einkommensteuer wird auf das zu versteuernde Einkommen eines Selbstständigen erhoben. Das zu versteuernde Einkommen errechnet sich aus den Einnahmen abzüglich der betrieblichen Ausgaben (Betriebsausgaben) und Sonderausgaben. Auch Sozialabgaben, also Kosten der Kranken-, Pflege- oder Rentenversicherung wirken steuermindernd.

Die Einkommensteuertabelle in Deutschland ist progressiv gestaltet, das bedeutet, dass der Steuersatz mit steigendem Einkommen zunimmt. Die genauen Steuersätze und Freibeträge können sich von Jahr zu Jahr ändern. Es gibt verschiedene Steuerklassen, die je nach Familienstand und anderen Faktoren unterschiedliche Steuersätze aufweisen können.

Für das Jahr 2023 liegen die Einkommensteuersätze zwischen 0 % und 45 %. Der höchste Steuersatz von 45 % gilt für ein zu versteuerndes Einkommen von über 277.826 Euro (für Ledige) bzw. 555.652 Euro (für Verheiratete).

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Quelle: Bundesministerium der Finanzen

Umsatzsteuer bei Selbstständigen

Die Umsatzsteuer, auch Mehrwertsteuer genannt, wird auf den Umsatz eines Unternehmens erhoben. Selbstständige müssen Umsatzsteuer auf ihre Produkte oder Dienstleistungen erheben und an das Finanzamt abführen. Gleichzeitig können sie Vorsteuer geltend machen, das sind die Umsatzsteuern, die sie selbst bei Geschäftsausgaben gezahlt haben.

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Der reguläre Umsatzsteuersatz beträgt in der Regel 19 %. Es gibt auch einen ermäßigten Satz von 7 % für bestimmte Waren und Dienstleistungen, wie z. B. Lebensmittel, Bücher oder kulturelle Veranstaltungen.

Hinweis: Als Kleinunternehmer nach §19 UStG bist du von der Umsatzsteuerpflicht befreit und musst keine Umsatzsteuer abführen. Das heißt konkret, du darfst keine Umsatzsteuer auf deine Dienstleistungen aufschlagen, umgekehrt kannst du dir aber deine gezahlte Umsatzsteuer auf Betriebsausgaben, nicht zurückholen. Die Kleinunternehmerregelung lohnt sich daher meist nur, wenn du kaum Ausgaben hast!

Gewerbesteuer bei Selbstständigen

Die Gewerbesteuer ist eine kommunale Steuer, die von Selbstständigen und Unternehmen erhoben wird. Die Berechnung der Gewerbesteuer erfolgt auf Grundlage des Gewerbeertrags, der sich aus dem Gewinn des Unternehmens ergibt. Dabei werden verschiedene Hinzurechnungen und Kürzungen vorgenommen, um den Gewerbeertrag zu ermitteln, auf den dann die Gewerbesteuer angewandt wird.

Der Gewerbesteuerhebesatz variiert von Stadt zu Stadt und kann in der Regel zwischen 200 % und 490 % liegen. Der individuelle Gewerbesteuerbetrag hängt daher sowohl von der Höhe des Gewerbeertrags als auch vom Hebesatz der jeweiligen Gemeinde ab. Im Durchschnitt beträgt er etwa 15 %.

Steuerarten nach Rechtsform

Je nach Rechtsform fallen manche Steuerarten an, andere ggf. nicht. In folgender Tabelle siehst du den Zusammenhang zwischen den wichtigsten Rechtsformen und den jeweiligen Steuerarten.

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RechtsformEinkünfte aus…ESt.USt.GSt.
EinzelunternehmerGewerbe oder selbständiger Arbeitauf alle GewinneUSt.-Voranmeldungbefreit bis 24.500€ Gewinn/Jahr
Kleinunternehmer (§19 UStG)Gewerbeauf alle Gewinnebefreit bis 22.000€ Umsatz/Jahrbefreit bis 24.500€ Gewinn/Jahr
Freiberuflerselbstständiger Arbeitauf alle Gewinneberufsabhängigbefreit
Personengesellschaft (GbR, OHK, KG)Gewerbe oder selbstständiger ArbeitGehälter & AusschüttungenUSt.-Voranmeldungbefreit bis 24.500€ Gewinn/Jahr
Kapitalgesellschaft (GmbH, AG, UG)Gewerbe, Kapitalvermögen oder nicht-selbstständige TätigkeitGehälter, Kapitalerträge & AusschüttungenUSt.-Voranmeldungkein Freibetrag
Steuerarten nach Rechtsform

Sozialversicherungsbeiträge bei Selbstständigkeit

Als Selbstständiger bist du für deine Sozialversicherung selbst verantwortlich. Das hat den Vorteil, dass du zu einem bestimmten Maße selbst festlegen kannst, wie viel Geld du für Versicherungen ausgibst, indem du manche Versicherungen einfach nicht abschließt.

Folgende Versicherungsarten spielen bei Selbstständigen eine Rolle:

  • Krankenversicherung (Freiwillig gesetzlich oder privat)
  • Zusatzversicherung für Krankentagegeld
  • Pflegeversicherung
  • Rentenversicherung
  • Arbeitslosenversicherung
  • Berufshaftpflichtversicherung

Der Abschluss einer -entweder freiwillig gesetzlichen oder privaten- Kranken- und Pflegeversicherung ist für Selbstständige in Deutschland Pflicht. Immerhin kannst du es dir aussuchen, ob du eine Zusatzversicherung mit Anspruch auf Krankengeld (ab dem 43. Krankheitstag) abschließt oder nicht.

Auch der Abschluss einer Renten-, Arbeitslosen oder Berufshaftpflichtversicherung ist freiwillig.

Weitere Ausgaben für Selbstständige

Neben Steuern und Abgaben, hast du als Selbstständiger normalerweise zudem jeden Monat Betriebsausgaben, die von deinem Umsatz abgezogen werden und dein Netto-Einkommen ebenfalls schmälern.

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Folgende Ausgaben können eine Rolle spielen:

  • Miete
  • Gehälter für Mitarbeiter
  • Materialkosten
  • Fahrzeuge
  • Energiekosten
  • Fahrtkosten
  • usw.

Je nach genutzten Firmenmitteln, der Rechtsform, Umsatz etc. können auch weitere Steuern und Umlagen eine Rolle spielen, z. B. Kfz-Steuer, Kapitalertragssteuer oder IHK-Beiträge.

Brutto Netto Selbstständigkeit: Was bleibt Selbstständigen Netto in Deutschland?

Wie wir gesehen haben, ist es nicht gerade einfach zu berechnen, was Selbstständigen unterm Strich Netto bleibt. Der durchschnittliche Steuersatz für Selbstständige in Deutschland kann stark variieren, da er von verschiedenen Faktoren abhängt, einschließlich des Einkommens, der Rechtsform, der Sozialausgaben und sonstigen Ausgaben und der steuerlichen Gestaltung.

Daher ist es am besten, anhand eines Fallbeispiels mal durchzurechnen, was Selbstständigen tatsächlich netto vom brutto bleibt.

Fallbeispiel: Berechnung des Brutto-Netto-Einkommens

Für dieses Fallbeispiel nehmen wir an, du bist 30 Jahre alt, ledig, ohne Kinder und wohnst in Frankfurt.

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Allgemeine Angaben & Rechtsform

Du hast dich vor 1 Jahr als Virtuelle Assistenz hauptberuflich selbstständig gemacht, gleichzeitig betreibst du einen eigenen Blog, den du monetarisierst.

Das Finanzamt hat deine Tätigkeit als VA nicht als freiberufliche Tätigkeit anerkannt, deine Blogger-Tätigkeit sowieso nicht. Daher musstest du ein Gewerbe anmelden. Um dir die Buchhaltung zu erleichtern, und da du sowieso wenige Ausgaben hast, hast du dein Gewerbe als Kleingewerbe nach §19 UStG angemeldet. Du bist Einzelunternehmer und nicht in der Kirche.

Sozialabgaben

Du hast dich in der Krankenkasse freiwillig gesetzlich versichern lassen, ohne Anspruch auf Krankentagegeld. Auf den Abschluss einer Rentenversicherung verzichtest du, da du lieber eigenverantwortlich vorsorgst. Auch auf eine Arbeitslosen- und Berufshaftpflichtversicherung verzichtest du.

Betriebsausgaben

Durch deine Arbeit als Virtuelle Assistenz und Blogger fallen ein paar Ausgaben an, wie z. B. Kosten für Software und Hosting. Du hast keine Angestellten, kein externes Büro oder Geschäftsauto, daher sind deine jährlichen Ausgaben sehr überschaubar.

Deine Betriebsausgaben betragen jährlich 2000 €.

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Betriebseinnahmen

Durch deine Tätigkeit als Virtuelle Assistenz und Blogger verdienst du zusammengenommen im Jahr 24.000 €. Davon gehen nun noch Sozialversicherungsbeiträge und anschließend Steuern weg.

Steuern

Einkommenssteuer fällt in Deutschland ab einem zu versteuernden jährlichen Einkommen von derzeit 10.908 € (= 909€/Monat) an. Dies ist der Grundfreibetrag. Erst das darüberliegende Einkommen muss versteuert werden. Du liegst auf jeden Fall darüber, und musst entsprechend Einkommenssteuer zahlen, wie viel genau, berechne ich später.

Umsatzsteuer: Du bist Kleinunternehmer und musst daher keine Umsatzsteuer ausweisen. Daher spielt die Umsatzsteuer in deiner Berechnung und Steuererklärung normalerweise keine Rolle.

Ausnahme: Du hast Ausgaben bei ausländischen Firmen, die das Reverse Charge Verfahren anwenden. Dies kann erfordern, dass du auch als Kleinunternehmer USt-Voranmeldungen abgeben musst.

Gewerbesteuer: Da du ein Gewerbe angemeldet hast (und dabei ist es egal, ob mit oder ohne Kleinunternehmerregelung), musst du prinzipiell Gewerbesteuer zahlen. Hier zeigt sich der Vorteil einer Einstufung als Freiberufler, denn als Freiberufler bist du grundsätzlich von der Gewerbesteuer befreit.

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Aber keine Angst, zum Glück gibt es, wie bei der Einkommenssteuer, auch bei der Gewerbesteuer einen Freibetrag. Dieser liegt derzeit bei 24.500 € Gewinn pro Jahr.

Allerdings gilt dieser Freibetrag nur für Einzelunternehmen und Personengesellschaften, mit einer Kapitalgesellschaft (GmbH) musst du immer Gewerbesteuer zahlen.

Berechnung Fallbeispiel Brutto Netto Selbstständigkeit

Nun zur Berechnung:

Deinen Gewinn berechnest du mit einer einfachen Einnahme-Überschuss-Rechnung (EÜR). Du subtrahierst alle deine jährlichen Ausgaben von deinen Einnahmen. Du hast im Jahr Einnahmen von 24.000 €. Dem gegenüber stehen Betriebsausgaben von jährlich 2.000 €. Somit hast du einen Brutto-Gewinn von 22.000 € (= 1.833 €/Monat).

Von diesem Brutto-Gewinn werden nun deine Sozialabgaben abgezogen. Die Kosten für freiwillige Kranken- und Pflegeversicherung betragen im Monat, ausgehend von 1.833 €/Monat Brutto-Gewinn ca. 346 €/Monat. Dies sind Sozialabgaben von 4.152 € pro Jahr.

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Nach den Abzügen ergibt sich ein zu versteuerndes Einkommen von 17.848 €.

Darauf fällt nun noch Einkommenssteuer in Höhe von 1.416 € an. Dadurch ergibt sich somit ein Jahres-Netto-Einkommen von 16.432 € oder 1.369 € monatlich.

Das ist vielleicht für den Anfang ok, aber mittelfristig natürlich sehr wenig. Dein Ziel sollte es sein, deine Einnahmen wenigstens zu verdoppeln, damit sich die Selbstständigkeit auch finanziell lohnt.

Da mit steigenden Einnahmen die Steuern und Abgaben in Deutschland zunehmend ins Gewicht fallen, kann es sehr sinnvoll sein, ab einem gewissen Einkommen (ab ca. 3000€/Monat) seinen steuerlichen Wohnsitz aus Deutschland zu verlagern, um nicht nur für den Staat zu arbeiten. Wenn du sowieso remote arbeitest, ist das mit wenig Aufwand realisierbar. Wenn du noch keine Online-Tätigkeit ausübst, hier eine Übersicht mit Vorschlägen, was du tun kannst.

Es gibt zig verschiedene steuerliche Konstrukte, mit denen du legal deine Steuerlast deutlich verringern kannst. Da jeder Fall einzeln zu betrachten ist, solltest du definitiv professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

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Fazit: Brutto Netto Selbstständigkeit

Die Welt der Steuern und Abgaben mag kompliziert erscheinen, aber mit dem richtigen Verständnis und einer sorgfältigen Planung kannst du dein Brutto-Netto-Einkommen als Selbstständiger optimal gestalten.

Informiere dich über die spezifischen Steuern und Abgaben in deinem Bereich, arbeite mit professionellen Beratern*, die dir helfen, deine Steuer- und Abgabenlast zu verringern. So kannst du den vollen Nutzen aus deinen Einnahmen ziehen, du arbeitest mehr fürs eigene Portemonnaie und kannst so schneller deine finanzielle Freiheit erreichen.

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